Damen – MTV Ingolstadt 28:27

Zittersieg! Was auch sonst? Wieder einmal machen es die Scheyerer Damen spannend bis zum Schluss und fahren einen knappen Erfolg ein.

Der Gegner, das sollte man dabei auch nicht unterschätzen, ging mit acht Siegen aus zehn Spielen als Favorit in die Partie und darf durchaus Ambitionen haben, um die Meisterschaft mitzuspielen. Im Hinspiel siegte der MTV Ingolstadt noch deutlich mit 30:24. Dass man aber durchaus in der Lage ist, die Großen zu ärgern, haben die Füchse spätestens im Spiel gegen Schleißheim bewiesen. Auch Ingolstadt wollte man zeigen, dass es bei den Scheyerern keine leichten Punkte zu holen gibt, wurden doch die meisten Zähler diese Saison vor heimischem Publikum eingefahren. Zudem wollte man sich für die bittere Niederlage im Hinspiel revanchieren. Lange war man damals spielerisch überlegen, kam durch eine taktische Umstellung der Gegner in der Defensive aber völlig aus dem Konzept und gab das Spiel schließlich verdient aus der Hand. Die Zeit bis zum Rückspiel hatte man aber gut genutzt, um sich auf dieses Defensivverhalten des MTV einzustellen und Lösungen zu finden.

Wie erwartet starteten die Gäste dann abwehrtechnisch auch genau so in die Partie, wie sie im letzten Aufeinandertreffen ihren Erfolg erzwungen hatten. Doch dies kam den Scheyerern entgegen. In der Offensive boten sich den Schwarz-Gelben große Räume, die man durch überlegtes und konsequentes Spiel immer wieder nutzte. Defensiv hatte man zunächst noch Probleme. Ingolstadt erspielte sich durch dynamisches Offensivspiel gute Wurfpositionen, insbesondere aus dem Rückraum, bei denen die Scheyerer in der Abwehr noch den Schritt zu spät entgegentrat. Mit der Zeit stellte man sich aber immer besser auf das Angriffsspiel der Gäste ein und nutzte vorne weiter die Lücken. Insbesondere das Umschaltspiel der Schwarz-Gelben funktionierte immer besser. Die zweite Welle erwies sich als probates Mittel gegen die Ingolstädter, die mit ein oder zwei Spielerinnen auf den Ballgewinn bei Frei- oder Abwürfen der Scheyerer aus der eigenen Hälfte lauerten. Dies nutzte die Heimmannschaft aus und setzte sich beim zwischenzeitlichen 8:6 erstmals auf zwei Tore ab. Vor allem mit der defensiven HFS-Abwehr, die immer mehr Ballgewinne forcierte, hatten die Gäste große Probleme. Ingolstadt reagierte und stellte in der Abwehr um. Zunächst holte der MTV auch wieder auf, doch die Füchse fanden immer besser in das Tempospiel und überliefen Ingolstadt mit einem schnellen 3:0 Lauf. Die Gäste nahmen ihre Auszeit, die aber keine Wende einläutete. Denn die Füchse stellten auf eine offensive Abwehr um und die Ingolstädterinnen zeigten sich sichtlich überfordert. Über zwei schnelle Gegenstöße konnte man die Führung weiter nach oben schrauben und ging in der Folge mit einem sechs Tore Polster in die Halbzeit.

Über die erste Hälfte hatten sich die Scheyerer gut auf das Ingolstädter Spiel eingestellt und blickten der zweiten Halbzeit positiv entgegen. Dass sechs Tore aber schnell aufgeholt sind, ist klar und den Füchsen war bewusst, dass man vor allem in der Schlussphase bei dem relativ kleinen 9-köpfigen Kader konditionell zu kämpfen haben wird. Umso schwungvoller wollte man in den zweiten Durchgang starten, um eine schnelle Entscheidung herbeizuführen.

So kamen die Scheyerer zunächst auch gut aus der Pause und hatten das Spiel weiterhin im Griff. In der Anfangsphase der zweiten Hälfte wussten die Füchse ihre Führung zu verwalten. Defensiv stand man weiter kompakt, konnte aber nicht mehr an die Hochphase der ersten Hälfte anknüpfen. Offensiv ließen sich die Füchse nicht durch eine nun robustere Gangart der Gäste beeindrucken und erspielten sich weiterhin gute Gelegenheiten. Doch plötzlich musste die Heimmannschaft eine große Schwächung hinnehmen. Ein unglücklicher Zweikampf und der kleine Finger von Rückraum-Mitte-Spielerin Carina Heimbach stand nicht mehr da, wo er eigentlich stehen sollte. Carina ging vom Feld und musste in das Krankenhaus gefahren werden. Währenddessen lief das Spiel aber weiter und die eigenen Spielerinnen realisierten erst Stück für Stück, dass Carina nicht mehr in der Halle war. Bemerkenswert aber, dass man in dieser Phase dennoch konzentriert weiterspielte und der Schock nur kurz ausfiel. Klar war jedoch allen, das nun ein großes Stück Arbeit bevorstand, da die Wechselmöglichkeiten bei einer Spielerin auf der Bank nahezu erschöpft waren und man mit Carina eine wichtige Leistungsträgerin irgendwie kompensieren musste. Und die Probleme der Füchse nahmen zu. Denn Ingolstadt stellte Mitte der zweiten Hälfte komplett in der Abwehr um und zwang die Gastgeberinnen zu Fehlern. Hektik schlich sich in das Spiel der Füchse ein und über mehrere risikoreiche Pässe ermöglichte man ein schnelles Konterspiel des MTV. Die Gäste überrannten die Scheyerer förmlich und zeigten sich vor dem Tor eiskalt. Stand es zuvor noch 21:14 für die Füchse, holte Ingolstadt binnen fünf Minuten auf 22:20 auf. Scheyern, in der Schockstarre, gelang es in dieser Phase nicht, die Abwehr zu sortieren und man musste zahlreiche einfache Tore durch schnelles Tempospiel der Gäste hinnehmen. Auch eine zwischenzeitliche Auszeit von Trainer Emmeran Winter brachte den Füchsen nicht die Wende. Man hatte nun also eine hohe Führung schnell verspielt – doch man brach nicht ein. Spielerisch waren die Füchse nun klar unterlegen und fanden offensiv nur wenige Lösungen. Über einen enormen Kampfgeist und Siegeswillen investierte man aber viel und hielt sich mit allen Kräften weiter im Spiel. Zwei schnelle Gegenstoß-Tore durch Kathrin Fink und Theresa Reil und plötzlich waren die Füchse wieder vier Tore in Front. Ingolstadt blieb am Drücker und holte wieder auf. Fünf Minuten vor Schluss erzielten die Gäste den 25:24 Anschlusstreffer. Die Anspannung war in der gesamten Halle zu spüren und die Nerven kurz vor dem Zerreißen. Doch wer die letzten Spiele der Füchse verfolgt hat, der weiß, dass dieses Team über Nerven wie Drahtseile verfügt. Ingolstadt erzielte Anschlusstreffer um Anschlusstreffer, aber die Scheyerer zeigten sich abgeklärt, erledigten ihre Hausaufgaben und konnten die knappe Führung von einem Tor durchgehend halten. 25 Sekunden vor Schluss trafen die Gäste per Siebenmeter zum 28:27 Anschluss. Es ist keine Seltenheit: Viele Handballspiele durchlaufen in solchen Phasen plötzlich die große Wende und auf einmal steht ein sicherer Sieger als Verlierer da. Wie dem auch sei – Die Partie gegen Ingolstadt war auf jeden Fall keines dieser Spiele. Scheyern spielte den Ballbesitz klug aus und bekam mit dem Abpfiff sogar noch einen Siebenmeter zugesprochen. Dass dieser verworfen wurde, nahm dem Sieges-Jubel nur wenig ab.

Viel mehr schmerzte die Verletzung von Carina Heimbach. Nach aktuellem Stand ist die Verletzung wohl weniger schlimm, als befürchtet. Ganz gewiss ist der weitere Prozess aber noch nicht. Diesen Sieg haben die Scheyerer mit, durch und am Ende für Carina geholt. Großen Respekt an die Gäste aus Ingolstadt, die sich auch nach deutlichem Rückstand nicht aufgegeben haben und die Füchse bis ans Limit getrieben haben. In der Schlussviertelstunde war der MTV die spielbestimmende Mannschaft und man hätte sich über einen Punktverlust nicht beschweren dürfen. Es war am Ende ein glücklicher Sieg. Aufgrund einer starken ersten Hälfte und einer eindrucksvollen kämpferischen Gesamtleistung der Mannschaft in der Schlussphase hat sich das Team den dritten Sieg in Folge aber durchaus verdient.

In der Momentaufnahme ist die Freude über diesen Erfolg groß. In den kommenden Wochen müssen die Füchse aber einen steinigen Weg antreten. Denn die personelle Lage ist prekär. Neben Carina, die mindestens für zwei Wochen ausfällt, kann auch Verena Richter aufgrund einer Knochenhautentzündung dem Team für den Rest der Saison nicht mehr helfen und pausierte bereits gegen Ingolstadt. Trotzdem ist nicht aller Tage Abend. Gute Zeiten, schlechte Zeiten – mal so, mal so. Wer da ist, der investiert viel, ob im Training oder Spiel. Leidenschaft, Kampfgeist und Nervenstärke, das sind die Faktoren, die das Scheyerer Spiel prägen und mit denen man auch gegen Ingolstadt in einer personellen und konditionellen Krise erfolgreich war. Wie auch der Kader am Wochenende aussehen mag, mental werden die Füchse voll da sein und auf Sieg spielen.  

Kader: Theresa Reil, Marah Wagner, Annika Zach, Lisa Kreutmair, Karolin Kollmar, Elena Schenkel, Kathrin Fink, Carina Heimbach, Nicole Schwinn

Betreuer: Emmeran Winter

Emmeran Winter

HFS-Social-Media-Team

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