MTV Pfaffenhofen II – Damen 16:31

Der Fluch ist gebrochen! Noch nie konnte eine Seniorenmannschaft der Handball-Füchse Scheyern in ihrer bisherigen Bestehens-Zeit das Derby gegen den Nachbarverein aus Pfaffenhofen für sich entscheiden. Diese Statistik kann nun getrost ins Altpapier gelegt werden. Denn mit einem deutlichen 16:31 Erfolg gegen die Landesligareserve der Ilmstädterinnen setzten die Scheyerer Damen ein klares Zeichen, machten die Statistik zur Geschichte und schrieben stattdessen selbst Geschichte – Ein Tag, der die Schwarz-Gelben Herzen höherschlagen lässt.

Wie kam es dazu? Nach langer Pause, aufgrund der abgebrochenen Partie gegen Manching und der abgesagten Begegnung gegen Gaimersheim, ging es für die Füchse endlich wieder weiter im Spielbetrieb. Gegen die Blau-Gelben Rivalen konnte die Mannschaft einen vollen 14-köpfigen Kader aufbieten. Sehr erfreulich war dabei aus Scheyerer Sicht die Rückkehr von Rückraum-Routinier Theresa Reil nach einer schweren Knieverletzung beim Fuchs-Cup. Die beiden B-Jugendspielerinnen Karin Förster und Alicia Ganz unterstützten die Mannschaft per Doppelspielrecht, wobei Ganz ihr erstes Spiel im Seniorendress absolvierte und gleich einmal mit zwei Treffern eine Duftmarke setzte.

Theresa Reil setzt zum Distanzwurf an.

Zu Beginn kam es zu einer längeren Verzögerung aufgrund von technischen Problemen. Nachdem diese aber behoben waren, erlebten die Zuschauer eine spannende Anfangsphase in der Neuauflage des Lokalderbys nach der Corona-Pause. Von Beginn an war die Stimmung der gesamten Mannschaft überragend. Auf dem Feld nahm man den Kampf an, auf der Bank pushte man, was das Zeug hielt. Spielerisch war den Scheyerern dann aber doch noch ein wenig Druck anzumerken. Vor allem in der Defensive hatte man immer wieder Abstimmungsprobleme und machte den einen Schritt zu spät, sodass die Gastgeberinnen immer wieder zu freien Würfen kamen. Im Angriff trat man zwar tendenziell gefährlich auf, spielte aber insgesamt zu hektisch und suchte viele überhastete Abschlüsse. Im Tempospiel agierte man zu unsauber und vertändelte viele Bälle. Bis zur zehnten Minute war es ein ausgeglichenes Match, in dem aber gefühlt Pfaffenhofen immer einen Tick dominanter war. Zwar führte die Heimmannschaft bis zum zwischenzeitlichen 4:3, deutlich absetzen konnte sich der MTV aber nicht, was nicht zuletzt einem starken Rückhalt durch die junge aber etablierte HFS-Keeperin Karolin Kollmar zu verdanken war, die mehrere Großchancen vereitelte.

In der Folge legten die Schwarz-Gelben dann ihre Anfangsnervosität ab und konnten das Spiel dominanter gestalten. Insbesondere in der Abwehr fand man zur gewohnt starken Leistung zurück, konnte die klaren Durchbrüche verhindern und zwang die Gastgeberinnen immer wieder zu Abschlüssen aus ungünstigen Wurfpositionen. Innerhalb von zwanzig Minuten gelangen den Pfaffenhofenerinnen lediglich weitere vier Treffer. Auch im Tempospiel trat man nun verbessert auf und spielte Gegenstöße klarer aus. Einzig im Aufbauspiel agierte man weiterhin noch etwas zu überhastet und scheiterte immer wieder an einer gut aufgelegten MTV-Keeperin. Dennoch konnte man sich, getragen von der kompakten Abwehrleistung, sukzessive weiter absetzen und ging beim Halbzeitstand von 8:12 mit einem kleinen Vorteil in die Pause. Dennoch musste man auch einen Wehrmutstropfen hinnehmen. Kreisläuferin Tanja Ruscitti schlug nach einem Zweikampf unkontrolliert mit dem Hinterkopf auf dem Boden auf und zog sich eine Kopfverletzung zu. Aus Sicherheitsgründen spielte sie deswegen in der Folge nicht mehr. Glücklicherweise kann hier aber bereits Entwarnung gegeben werden, dass sich die Verletzung im Nachhinein als nicht schwerwiegend herausstellte.

Die Füchse starten in den Gegenstoß.

Für den zweiten Durchgang nahm man sich vor, das Heft nicht mehr aus der Hand zu geben, ruhig und kontrolliert aufzutreten und sich den Vorsprung nicht mehr nehmen zu lassen. Die Schwarz-Gelben kamen gut aus der Kabine und setzten sich über zwei blitzsaubere Konter von Kathrin Fink und Angelina von Hoenning innerhalb kurzer Zeit auf sechs Tore ab. Daraufhin wurde das Spiel aber sehr hektisch. Zu schnell wollte man in der Offensive das Spiel entscheiden, musste so immer wieder leichtfertige Ballverluste hinnehmen und riskierte, die deutliche Führung zu verspielen. Da man aber weiterhin sicher in der Abwehr stand und wenig zuließ, konnte man den Vorsprung dennoch halten. In dieser Phase kam es dann zu einer unglücklichen Szene auf der Gegenseite. Nach einer Abwehrbewegung verletzte sich die bis dahin sehr stark auftretende MTV-Keeperin und musste für den Rest des Spiels ausgewechselt werden. An dieser Stelle wünschen wir der verletzten Spielerin eine gute Besserung.

Nach 40 Minuten wurde es dann eine eindeutige Angelegenheit. Scheyern riss das Heft nun komplett an sich und diktierte das Spielgeschehen nach Belieben. Einen Bärenanteil daran hatte auch Lena Franz, die in dieser Phase viel Autorität im Angriff ausstrahlte und großen Anteil daran hatte, dass die Scheyerer im Aufbauspiel nun die gewünschte Ruhe und Abgeklärtheit an den Tag legten. Ironischerweise erzielte sie dann innerhalb kurzer Zeit drei Treffer per Gegenstoß, wobei der Schein trügt, da die Füchse insgesamt einfach cool blieben. Ein 8:0 Lauf in dieser Phase sorgte für deutliche Verhältnisse. Auch in der Folge blieb man konzentriert und setzte sich sukzessive weiter ab. Wieder kassierte man innerhalb von 20 Minuten lediglich vier Gegentreffer und fuhr am Ende einen deutlichen und souveränen Sieg über die Runden. Im zweiten Durchgang hatte Pfaffenhofen nichts mehr entgegenzusetzen. Der Derbysieg wurde mit dem angereisten Scheyerer Anhang und auch danach noch gebührend gefeiert.

Die Damen hatten viel Anlass zum Jubeln.

Derbys schreiben immer eigene Gesetze. Das war allen Beteiligten vor der Partie bewusst und dementsprechend ernst und konzentriert nahm man den Kampf an. Es war aber auch klar, dass man selbst eine große Verantwortung übernehmen kann, diese Gesetze zu schreiben und genau das taten die Scheyerer Füchse an diesem Tag und erreichten dann so ganz nebenbei noch historisches. Es ist der erste Sieg gegen den MTV und viele weitere werden folgen. Wie lange man sich dafür gedulden muss, hängt von den Entscheidungen der Regierung ab. Aufgrund der hohen Inzidenzzahlen herrscht derzeit große Unsicherheit, wie es mit dem Trainings- und Spielbetrieb weitergehen soll. Solange hier aber kein Urteil hinsichtlich der Einstellung des Sports getätigt ist, trainiert man weiterhin mit vollem Fokus auf die Partie gegen den direkten Konkurrenten HG Ingolstadt III hin. Mit dem historischen Erfolg gegen Pfaffenhofen und dem damit dritten Sieg im vierten Spiel stehen die Scheyerer derzeit auf einem überragenden zweiten Tabellenplatz, den man sich ungern wieder nehmen lassen will. Es war ein starker Start in die Saison. Blenden lassen darf man sich dennoch nicht von der derzeitigen Euphorie und den zuletzt hohen Siegen. Es werden schwierigere Spiele folgen als dieses und weiterhin sind noch einige Stellschrauben offen. Gelingt es der Mannschaft aber, diese positive Stimmung hochzuhalten und weiterhin die Leidenschaft und Entschlossenheit in jedes Training mitzubringen, wie es seit langer Zeit der Fall ist, dann ist auf jeden Fall noch vieles möglich in dieser Saison. Was man für ein starkes gesamtmannschaftliches Potential mitbringt, konnte man im Derby auf alle Fälle unter Beweis stellen. Ganz Scheyern ist stolz auf diese Mannschaft.

Kader: Theresa Reil, Verena Richter, Alena Seubert, Lena Franz, Karin Förster, Liese Landskron, Karolin Kollmar, Paula Münzhuber, Elena Schenkel, Kathrin Fink, Angelina von Hoenning, Carina Heimbach, Tanja Ruscitti, Alicia Ganz

Trainer: Emmeran Winter, Alex Polz

Emmeran Winter

Trainer Damen