Damen – TSV Schleißheim II 19:20

In einem aufregenden Spiel scheiterten die Füchse knapp an der großen Sensation.

Mit dem TSV Schleißheim empfing Scheyern den noch ungeschlagenen Ligaprimus und allen war klar, dass es hier nur etwas zu holen gibt, wenn die gesamte Mannschaft viel investiert. Die Gäste waren bis dato dominant durch die Liga geschlendert und hatten jeden Gegner mit neun Toren oder einer höheren Differenz geschlagen. Zu horchen gab den Füchsen insbesondere der deutliche 22:12 Sieg gegen den Tabellenzweiten aus Pfaffenhofen, gegen den die Füchse zuletzt eine herbe Niederlage einstecken mussten. Der Statistik nach schien Schleißheim also in einer eigenen Liga zu spielen.

Trotzdem, wie es so oft der Fall ist: Wenn man dem Anschein und den Erwartungen nach fast keine Chance hat, dann will man genau diese nutzen. Die Füchse nahmen sich also vor, nicht lange abzuwarten, wie sich das Spiel entwickelt, sondern sofort über hohes Tempospiel loszulegen. Durch eine offensive Abwehrausrichtung gelang es den Füchsen auch erfolgreich, das Schleißheimer Aufbauspiel zu unterbinden und die Tormaschine des Tabellenführers gar nicht erst in das Rollen kommen zu lassen. Zwar gelang Schleißheim noch der erste Treffer der Partie, doch früh zeichnete sich ab, dass die Füchse hier die dominantere Mannschaft waren. Über eine stabile Abwehr holte man sich Ball für Ball und zwang die Gäste zu zahlreichen Fehlern oder unvorbereiteten Abschlüssen. Bis zur zehnten Minute setzte man sich auf 5:2 ab, woraufhin die Gegner früh ihre erste Auszeit nahmen. Schleißheim versuchte in der Folge, die Scheyerer Abwehr über Sperren zu überwinden, was aber nicht von Erfolg gekrönt wurde. Denn die Scheyerer hatten sich darauf gut eingestellt. Auch das Einlaufen eines zweiten Kreisläufers brachte den Gästen nur wenig Vorteile, da sie sich dadurch selbst ihres Aufbauspieles beraubten. Die Scheyerer hingegen zeigten eine hohe Laufbereitschaft und bauten die eigene Führung über zahlreiche Tempogegenstöße aus. In der zweiundzwanzigsten Minute traf Kathrin Fink zur 10:3 Führung und es wurde laut in der Halle. Denn allen war nun bewusst, dass die Sensation an diesem Tag möglich war. Doch auch die Kräfte der Scheyerer ließen nach und man war ob des kleinen Kaders gezwungen, mit diesen hauszuhalten. In einer ausgeglichenen Schlussphase der ersten Hälfte entführten die Gastgeberinnen eine deutliche 12:5 Führung in die Pause. Ein Spielstand, den vor der Partie niemand für möglich gehalten hätte.

Doch dass in diesem Spiel noch lange nichts gewonnen war, war den Scheyerern ebenso bewusst. Denn wenn man in dieser Liga von einem Team noch erwarten kann, einen hohen Rückstand zu drehen, dann erst recht vom Spitzenreiter. Erfolgreich waren die Scheyerer im ersten Durchgang insbesondere über Gegenstöße. So nahm man sich vor, zu fighten und in der zweiten Hälfte dieselbe Laufbereitschaft zu zeigen, wie im ersten. Nach einer konstruktiven Halbzeit ging Scheyern hochmotiviert zurück auf den Platz.

Schleißheim stellte defensiv auf eine offensivere Abwehrformation um. Dies bereitete den Scheyerern aber zunächst keine Probleme, da man sich in den letzten Trainingswochen darauf eingestellt hatte und Lösungen fand. Auch defensiv stand man weiter sicher und eroberte zahlreiche Bälle. Problematisch war im zweiten Durchgang aber, dass man nicht mehr in die erste oder zweite Welle fand. Zu unkonzentriert und unsauber war das Passspiel, sodass man immer wieder gezwungen war, das Spiel im Angriff aufzubauen, was an den Kräften der Mannschaft zerrte. Über mehrere Fehlpässe kam Schleißheim immer wieder zu Ballgewinnen, konnte das Spiel aber nicht an sich reißen, da Torhüterin Karolin Kollmar eine bärenstarke Leistung abrief und die Füchse weiter im Spiel hielt. Es war im zweiten Durchgang ein Spiel auf Augenhöhe. Schleißheim verkürzte auf 14:10, Scheyern zog wieder auf sechs davon. Acht Minuten vor Schluss nahmen die Füchse ihre Auszeit. Volle Motivation und Kampf bis zum Schluss war die Ansage. Man wollte unbedingt diesen Sieg über die Zeit boxen. Doch vage schmolz der Scheyerer Vorsprung. Schleißheim verkürzte auf 18:16, Theresa Reil verwandelte einen wichtigen Siebenmeter zum 19:16 Zwischenstand in der 56. Minute. Schleißheim nahm in der Folge die letzte Auszeit und ging volles Risiko – mit Erfolg. Gegen die Manndeckung der Gäste zeigten sich die Scheyerer nervös und es fehlte an der Bewegung ohne Ball im Angriff. Über riskante Pässe schenkte man unnötige Bälle her und lud die Schleißheimerinnen zum Tempogegenstoß ein, was diese dankend annahmen. Es setzte in den letzten drei Minuten einen 4:0 Lauf der Gäste. 40 Sekunden vor Schluss dann der Schock: Schleißheim verwandelte zur 19:20 Führung und drehte das Spiel. Im letzten Angriff vergaß Scheyern schließlich die Zeit und schenkte die letzte Möglichkeit, ein Tor zu werfen leichtsinnig her. So standen die Scheyerer nach 60 Minuten wie begossene Pudel auf dem Platz und gratulierten den Gästen, die man zuvor phasenweise an die Wand gespielt hatte, zum Sieg.

Es war eine Niederlage der Klasse „extrem bitter“. Traut man den Statistiken, so kann man von einem Überraschungsergebnis sprechen und mit der Leistung mehr als zufrieden sein. Betrachtet man den Spielverlauf, muss man aber sagen, dass das kein Spiel war, dass man gewinnen kann, sondern das man gewinnen muss. Letztendlich müssen sich die Scheyerer aber an die eigene Nase fassen. In den Schlussminuten ließ man mental nach und wollte den Sieg unbedingt erzwingen, statt die Zeit ruhig runter zu spielen. Hier muss man in den kommenden Spielen noch cooler und abgezockter werden. Insbesondere die Abwehr, die über 60 Minuten kompakt stand bleibt zu loben. Dieses Spiel hat man am Ende aufgrund zu schwacher Nerven im Angriffsspiel verloren.

Insgesamt konnten die Scheyerer aber durchaus ein kleines Zeichen in der Liga setzen. Ein weiteres Mal hat man gezeigt, dass man die Handball-Füchse niemals unterschätzen sollte. Diese Leistung gibt Auftrieb und eine große Schippe Selbstvertrauen. Nächstes Wochenende will man voller Elan in das Derby gegen Manching gehen und die Früchte harter und guter Arbeit in den letzten Trainingseinheiten und Spielen ernten.

Kader: Theresa Reil, Verena Richter, Marah Wagner, Annika Zach, Elena Schenkel, Kathrin Fink, Carina Heimbach, Nicole Schwinn, Karolin Kollmar

Trainer: Emmeran Winter

 

Emmeran Winter

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